Viele Begriffe in der Plotterszene kommen aus dem Englischen. So auch Print and cut
Was es damit auf sich hat, was man beachten muss, wie man es macht, all das will ich versuchen hier zu beleuchten.
 

Der Begriff Print and cut

Print and cut heißt auf drucken und schneiden (oder auch stanzen).
In der einfachsten Form heißt es erst mal,  ich drucke ein Bild, eine Grafik (z.B. ein Digistamp) oder ein Digitales Papier auf Papier und schneide es anschließend mit der Schere, dem Plotter oder der Stanzmaschine (Beispiel :Big Shot) 
Solange es dabei nicht auf Präzision ankommt, wie zum Beispiel Deckblatt oder Deckseite von Schachteln oder ähnliches muss man nichts besonderes beachten.

Was braucht man dazu?

Man braucht dazu nur einen Farbdrucker (Laser- oder Tintenstrahldrucker ist egal), Fotopapier in matt (ich nehme das von Schwarzwaldmühle, damit hab ich die besten Erfahrungen gemacht), euren Plotter, oder Stanzmaschine, oder einfach nur eine Schere.

Direkt aus Silhouette Studio das ganze Blatt füllen und drucken oder sogar direkt die Datei über ein Bildbetrachtungsprogramm (hier das Windows eigene)  drucken, auf der Matte positionieren und dann plotten lassen. 

Ein komplett gefülltes Blatt in Silhouette Studio erstellen und drucken

  1. Öffnet Silhouette Studio
  2. Stellt als Papiermaße Din A4 ein (wenn ihr einen A4 Drucker habt)
  3. Zieht mit dem Rechteckwerkzeug ein Rechteck auf, das die gesamte Seite abdeckt (Füllung ohne, Konturfarbe egal, Konturdicke 0 Punkte)
    Rechteckwerkzeug in Silhouette Studio
  4. Öffnet euren Explorer und zieht mit gedrückter linker Maustaste das Digipapier oder den Stamp oder das Bild auf euer Blatt in das aufgezogene Rechteck.
    Digipaper in das Rechteck ziehen
    Digipaper in das Rechteck ziehen 2
  5. Geht auf Drucken und stellt in den erweiterten Einstellungen die beste Qualität und randlosen Druck aus (wenn euer Drucker das unterstützt). Anschließend drucken und weiterverarbeiten, wie sonst euer Papier auch.
    In Silhouette Studio drucken wählen
    Druckeinstellungen

Das digitale Papier direkt aus dem Explorer bzw. Bildbetrachtungsprogramm drucken

  1. Explorer öffnen und Papier oder Bild aussuchen
    Digipaper im Explorer aussuchen
  2. Mit Doppelklick das Bildbetrachtungsprogramm öffnen (hier das Windowseigene, das hat jeder anders eingestellt)
  3. Auf Drucken klicken und die Einstellungen so wählen, dass das Papier weitgehend bedruckt wird (hängt vom Drucker ab)
    Digipaper im Windowseigenen Bildbetrachtungsprogramm öffnen
    Druckeinstellungen im Windowseigenen Bildbetrachtungsprogramm

 

Will man aber einen Digistamp, eine Form oder Schrift präzise ausschneiden oder auf einer Deckseite erst digitales Papier oder Muster einfügen und dann noch eine Grafik, die an einer bestimmten Position sein soll, braucht man die print and cut Funktion des Plotters. 
Nutzer von Brother-Plottern sind da im Vorteil, weil er eine komplett optische Scaneinheit besitzt und so schon sehr präzise arbeitet.
Nutzer von Silhouette Plottern müssen sich da mit den Passermarken beschäftigen. Denn die Silhouette Plotter haben keine komplett optische Scaneinheit sondern lesen feste Punkte (die Passermarken)  ein und errechnen daraus die Position des zu schneidenden Objekts. 
 

Einrichten einer Seite mit Passermarken

  1. Stelle die tatsächliche Papiergröße ein, die du drucken und anschließend plotten möchtest (in der Regel wird es A4 sein, aber gerade die Silhouette Papiere liegen im Letterformat vor, da muss dann auch Letter eingestellt werden)
    Seite einrichten im Silhouette Studio
  2. Wähle die Einstellungen für die Passermarken und stelle Typ 1 aus (bitte gerade am Anfang nicht die Vorgabewerte verändern, das kann in seltenen Fällen zu Problemen führen)
    Passermarken im Silhouette Studio einfügen
  3. Legt alle Teile auf die Seite innerhalb des roten Rahmens und nicht in den schattierten Bereich (was noch zu beachten ist, kommt im nächsten Abschnitt)
    Bereich für Print and cut auf einem Blatt mit Passermarken
  4. Druckt die Seite (wie oben bei ganze Seite drucken)
    Druckeinstellungen
  5. Legt sie auf die Position auf die Matte (wie es auch in der Datei ist) und plottet. 
 

Plotten von Elementen mit Print and cut

Durch die Passermarken erkennt der Plotter die Position der Elemente. Allerdings schneidet er nicht 100% genau. 
Hier mal die Datei einfach so wie man sie ohne Anpassungen erstellen würde (eine Form mit Muster, ein Digistamp und Schrift).

ausgedrucktes Blatt mit Passermarken aber nicht angepassten Objekten

Um diese Ungenauigkeiten auszugleichen, hilft es, ein Offset in einer anderen Linienfarbe anzulegen und das entweder mit der gleichen Farbe oder Füllung zu füllen.

Dazu am rechten Rand das Offset Werkzeug wählen und auf Offset klicken. Die Maße kann man variabel einstellen. Ich empfehle Werte zwischen 0,6 mm und 2 mm. (dazu aber bei dem Umgang mit Digistamps mehr) 

Beim Schriftzug habe ich ein Offset von 1,8 mm gewählt. Man erkennt deutlich die rote Linie (zweite Schneidelinie) die im Abstand zum Schriftzug entstanden ist.

Für das spätere Schneiden brauchen wir diese Linie nicht als Schneidelinie sondern den Bereich dazwischen mit gleicher Füllung wie das zu schneidende Objekt. Mit dieser Füllung gleichen wir leichte Abweichungen durch das Schneiden aus.
Deswegen wird die Linienfarbe des Offsets geändert. (Ich persönlich habe mir angewöhnt, bei Print and cut Schneidelinien rot, und Füllrandgrenzen schwarz zu füllen)

Wichtig!!!!
Die Linienstärke bei Print and cut muss 0 pt betragen. So sieht man sie zwar auf dem Monitor, aber sie wird nicht mit gedruckt.

 

 
Nun muss ich dem Offset auch noch die gleiche Füllung (Füllfarbe oder Muster) geben, wie meinem eigentlichen Objekt)
Bei Farbei einfach mit der Pipette die Farbe aufnehmen und füllen.
Bei Mustern oder Bildfüllungen das eigentliche Objekt ohne Füllung lassen und nur das Offset füllen.
Nun kann das Blatt gedruckt werden.
Anschließend wird es genau so auf der Matte positioniert wie es im Silhouette Studio angezeigt wird. Matte laden.
Anschließend ins Senden-Menü wechseln.
Bei Print and cut eignet sich der einfache Modus nicht. 
Denn dann schneidet er nur außen, oder alle Linien.
 
Wir wollen ja aber nur die eigentlichen Schneidelinien scheniden. Hier helfen die verschiedenen Farben.
Deswegen gehen wir im Senden-Menü auf Linie.
Und wählen nur (in meinem Fall rot) die Linie aus, die die Farbe unserer Schneidelinien hat. Wenn nun geschnitten wird, bleibt ein farbiger Rand auf dem Papier, aber das Motiv ist sauber ausgeschnitten und hat nicht unschöne Kanten.
 
Hier mal Vergleichsbilder: Links ohne Offset – Rechts mit Offset
 

Registrierung fehlgeschlagen oder der Schnitt passt nicht – was tun?

  1. Will ich überhaupt print and cut machen?
    Wenn nein, einfach die Passermarken deaktivieren, dann sucht er nicht danach und versucht auch nicht sich zu registrieren.
    Wenn ich Print and cut machen will, müssen die Passermarken deutlich sichtbar und komplett und tief schwarz (also deutlichem Kontrast) gedruckt sein. Evtl vorsichtig mit einem Edding nachzeichnen.
  2. Sind Firmware und Software auf dem aktuellsten Stand?
    Die Cameo 1 und 2 verzeihen vergessene Updates leichter als die Cameo 3. Die aktuellste Version für die Firmware und die Software gibt es auf der Silhouette America Seite (bitte nicht die Beta-Version benutzen)
  3. Stimmen tatsächliches Papierformat, Papiermaße im Silhouette Studio und Papiermaße in den Druckereinstellungen 100% überein? 
    Stimmt nur eine der drei Einstellungen nicht zu den anderen gibt es Probleme, kann entweder die Registrierung fehlschlagen (das heißt er beginnt gar nicht erst mit dem Schneidevorgang) oder der Schnitt ist deutlich verschoben.
  4. Liegen keine Objekte in dem unerlaubten Bereich (außerhalb der roten Schneidelinie oder im schraffierten Bereich)?
    Objekte verschieben, auch etwas Sicherheitsabstand ca. 1 mm einplanen, neu drucken
  5. Ist der Deckel der Cameo beim Registrierungsvorgang geschlossen?
    Da die Abtastung der Passermarken geschieht über einen sehr lichtempfindlichen Sensor auf hohem Kontrast. Einfallendes Licht und Schattenwurf können zu Störungen führen. Den Deckel schließen kann helfen.
  6. Falls es ein spiegelndes Medium ist (manche bedruckbare Folien) hilft es, vor dem Druck auf die Stellen, wo die Passermarken gedruckt werden, reinweiße Klebeetiketten (wie für Briefumschläge) zu kleben um einen starken Kontrast ohne Lichtstörungen zu erreichen. (Danke für diesen Tipp an Miriam von Miriamkreativ)
  7. Wenn alles überprüft ist und es auch mit einer anderen Datei und anderem Material nicht geht, liegt der Fehler tiefer und das Gerät muss überprüft werden.